KI-Fitness-Apps und Datenschutz in der Schweiz

KI-Fitness- und Kalorien-Apps speichern Gewicht, Essensfotos, Gesundheitsdaten und teils Medikamente. Was sechs Datenschutzerklärungen zum Verkauf sagen, was das MyFitnessPal-Leck zeigt, welche Rechte das revDSG in der Schweiz gibt und eine Checkliste.

Trainera Team
21. Oktober 2026
10 Min. Lesezeit
KI-Fitness-Apps und Datenschutz in der Schweiz
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Wie sicher sind deine Daten in KI-Fitness- und Kalorien-Apps?

Das entscheidet die einzelne App, und die Antwort steht in der Datenschutzerklärung, nicht in der Werbung. MacroFactor und Cronometer sagen klar, dass sie keine Personendaten verkaufen. Andere behalten sich vor, Daten für Werbung zu verkaufen oder weiterzugeben, teils auch sensible. Bevor du Gewicht, Essensfotos oder Medikamente erfasst, lohnen sich drei Schritte: die Abschnitte zu "sell" und "share" lesen, nur die nötigen Gesundheitsdaten verbinden und ein eigenes Passwort verwenden.

In der Schweiz gilt dafür seit dem 1. September 2023 das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG). Gesundheitsdaten sind dort besonders schützenswerte Personendaten, und für deren Bearbeitung muss eine Einwilligung ausdrücklich erfolgen (revDSG auf Fedlex). Dieser Beitrag zeigt, was die Apps speichern, was sechs Datenschutzerklärungen sagen (geprüft im Oktober 2026), was das MyFitnessPal-Leck von 2018 lehrt, welche Rechte du in der Schweiz hast und welche Punkte du vor der Anmeldung prüfst. Das ist keine Rechtsberatung, Stand Oktober 2026.

Welche Daten eine KI-Fitness-App sammelt

Eine solche App protokolliert deinen Körper, dein Essen und deinen Tagesablauf. Vieles gibst du selbst ein, manches fliesst über eine Gesundheits-Synchronisierung, die du vor Monaten erlaubt und dann vergessen hast, und KI-Funktionen bringen Fotos und Chatverläufe dazu.

DatenartBeispieleWarum heikel
KörperdatenGewicht, Grösse, Körperfett, Umfänge, FortschrittsfotosZeichnen deinen Gesundheitszustand und dessen Verlauf nach
ErnährungstagebuchMahlzeiten, Kalorien, Makros, EssenszeitenKann auf Diäten, Religion oder Essprobleme schliessen lassen
Fotos und SprachnotizenTellerbilder für Kalorienschätzungen, gesprochene EinträgeIm Hintergrund sind Wohnung, Familie oder Ort zu sehen
Gesundheits-SyncSchritte, Puls, Schlaf, Workouts aus Apple Health oder Health ConnectErgibt ein lückenloses Bild deines Alltags
MedikamenteGLP-1-Dosen, Einnahme-Erinnerungen, NahrungsergänzungDirekt medizinische Information
KI-ChatFragen zu Verletzungen, Zyklus, StressHier erzählt man, was man nirgends öffentlich schreiben würde

Medikamente sind keine Theorie. Cal AI nennt in seiner Datenschutzerklärung (gültig ab 21. Mai 2026) ausdrücklich "Food, drink, and medications you consume (including as submitted via voice and image logging)". Auch MyFitnessPal und Lose It! bieten mittlerweile ein GLP-1-Protokoll. Fragen zu Dosis oder Nebenwirkungen gehören trotzdem zur Ärztin oder zum Arzt, nicht in die App.

Was die Datenschutzerklärungen zum Datenverkauf sagen

Grob gibt es zwei Gruppen: Apps, die keine Personendaten verkaufen, und Apps, bei denen eine Weitergabe rechtlich als Verkauf gelten kann. Oft reicht schon, dass Website-Cookies Daten an Werbepartner schicken, damit US-Recht von "sale" oder "sharing" spricht. Mit der Anmeldung akzeptierst du genau diesen Wortlaut.

AppFassungAussage zum Verkauf
MacroFactorZuletzt aktualisiert am 1. Dezember 2025"We do not sell your Personal Data to third parties."
CronometerAktuelle Seite"We Do Not Sell Your Personal Information." Vorbehalten: "the right to share or sell aggregated, anonymous or deidentified information"
MyFitnessPalGültig ab 18. März 2025Kein Verkauf "expressly", aber gewisse Cookie-Nutzungen auf der Website "may constitute sales or sharing"
Cal AIGültig ab 21. Mai 2026Gleich wie MyFitnessPal: kein ausdrücklicher Verkauf, Cookies können als "sales" oder "sharing" gelten
NoomAktualisiert am 1. Oktober 2024"NOTICE: This website may sell your sensitive personal data."
Lose It!Zuletzt aktualisiert am 24.06.2026"Under some circumstances, we may sell or share the personal data you provide to us (excluding data that originates from Google Fit and Health Connect) to provide ads to you"

Die Erklärungen im Original, geprüft im Oktober 2026: MacroFactor, Cronometer, MyFitnessPal, Noom und Lose It!. Drei Details fallen auf:

  • Cronometer hält fest, es "has not sold any Personal Information in the preceding twelve (12) months". Daran lässt sich die App messen.
  • Noom schreibt, es "does not sell or share the personal information of children or teens".
  • Lose It! ergänzt "NOTICE: We may sell your sensitive personal data, as defined under and in accordance with Texas law." Daten aus Google Fit und Health Connect sind ausgenommen, was Android-Nutzern hilft.

Sicher oder unsicher wird dadurch keine App. Stört dich Weitergabe für Werbung, passt eine App mit klarem "we do not sell" besser. Ist dir die Lebensmitteldatenbank oder der Preis wichtiger, nimmst du die Hinweise vielleicht in Kauf.

Deine Rechte nach revDSG: was in der Schweiz gilt

Viele der grossen Fitness-Apps kommen aus den USA, ihre Datenschutzerklärungen sind auf US-Recht ausgerichtet. Als Nutzerin oder Nutzer in der Schweiz kannst du dich zusätzlich auf das revDSG stützen. Die wichtigsten Punkte für Fitness- und Ernährungsdaten:

Regel im revDSGWas sie bedeutetWas du damit machst
Art. 5 Bst. cGesundheitsdaten und biometrische Daten sind besonders schützenswertGewicht im Gesundheitskontext, Medikamente oder Verletzungen nur teilen, wenn nötig
Art. 6 Abs. 6-7Eine nötige Einwilligung muss freiwillig und nach Information erfolgen, bei besonders schützenswerten Daten ausdrücklichAchte darauf, ob die App aktiv nach deiner Zustimmung fragt
Art. 19Informationspflicht bei der Beschaffung von PersonendatenDie Datenschutzerklärung muss sagen, was gesammelt wird und an wen es geht
Art. 16Bekanntgabe ins Ausland nur bei angemessenem Schutz oder geeigneten GarantienPrüfe, in welche Länder die App Daten schickt
Art. 25Auskunftsrecht, Antwort in der Regel innert 30 TagenFrag schriftlich nach, welche Daten die App über dich hat
Art. 24Verletzungen der Datensicherheit mit voraussichtlich hohem Risiko müssen dem EDÖB gemeldet werdenBei einem Leck ist der EDÖB die zuständige Stelle

Für Apps aus den USA ist seit dem 15. September 2024 das Swiss-U.S. Data Privacy Framework relevant: Daten dürfen an zertifizierte US-Unternehmen ohne zusätzliche Garantien gehen (Bundesrat, 14.08.2024). Bei vorsätzlichen Verstössen gegen bestimmte Pflichten sieht das revDSG Bussen bis CHF 250'000 gegen die verantwortlichen privaten Personen vor (Art. 60-61). Für den Einzelfall gilt: Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung; bei konkreten Fragen hilft der EDÖB weiter.

Was das MyFitnessPal-Leck von 2018 zeigt

Daten können nicht nur weitergegeben, sondern auch gestohlen werden. Under Armour, damals Besitzerin von MyFitnessPal, meldete der US-Börsenaufsicht in einer Mitteilung vom 29. März 2018, "an unauthorized party acquired data associated with MyFitnessPal user accounts in late February 2018". Betroffen waren "approximately 150 million user accounts", konkret "usernames, email addresses, and hashed passwords". Kartendaten blieben verschont, weil sie separat verarbeitet wurden. Das Hilfecenter von MyFitnessPal beschreibt den Vorfall bis heute, alle Nutzer mussten ihr Passwort zurücksetzen (geprüft im Oktober 2026).

Daraus folgen zwei Regeln: Benutzt du dasselbe Passwort auch anderswo, trifft dich ein Leck mehrfach. Und wenn ein Zahlungsdienst die Kartendaten getrennt hält, liegt bei einem Leck weniger offen. Zahl deshalb über den App Store oder einen bekannten Zahlungsanbieter.

Behörden und Gesetze nach Land

Überall in dieser Tabelle stehen Gesundheitsdaten unter besonderem Schutz. Sie zeigt, wohin du dich wenden kannst, wenn eine App nachlässig damit umgeht.

LandBehörde oder GesetzKernaussage (geprüft im Oktober 2026)
SchweizEDÖB, revDSGIn Kraft seit 1. September 2023; Gesundheitsdaten besonders schützenswert; Meldung schwerer Datenpannen an den EDÖB
Irland und EUData Protection Commission (DPC)Die DPC ist "the Irish supervisory authority for the General Data Protection Regulation (GDPR)", zuständig für viele US-Konzerne mit EU-Sitz in Irland
USAFTC, Health Breach Notification Rule"The Rule applies to health apps and similar technologies not covered by HIPAA"; Meldung "without unreasonable delay", spätestens 60 Kalendertage nach Entdeckung
Vereinigtes KönigreichICO, UK GDPRGesundheitsdaten sind "special category data"
AustralienOAIC, Privacy ActGesundheitsinformationen sind "sensitive information", genannt werden auch "records held by a fitness club about an individual"
Saudi-ArabienPDPLSeit 14. September 2023 in Kraft; "sensitive data" umfasst "Personal data that is related to the health of an individual"
Vereinigte Arabische EmirateFederal Decree-Law No. 45 of 2021Schutz personenbezogener Daten seit 2. Januar 2022

Quellen: FTC, ICO, Data Protection Commission, OAIC, SDAIA (PDPL) und u.ae (VAE). Der EDÖB gibt zu Wearables einen Rat, der für jede Fitness-App passt: prüfen, "whether the product allows for privacy-friendly settings; where collected data is stored; and whether the processing of such data is comprehensible overall."

Fotos, Chat und eine KI, die handeln kann

Mit KI kommen zwei neue Fragen dazu: Was geschieht mit Fotos und Nachrichten, und was darf der Assistent in deinem Konto verändern?

Essensfotos

Jedes Tellerfoto geht an ein KI-Modell, das den Inhalt schätzt. Fotografiere nur den Teller: keine Gesichter, kein Couvert mit Adresse, kein Bildschirm im Hintergrund. Gibt es einen Fotoverlauf, schau nach, ob du ihn löschen kannst.

Gespräche mit dem KI-Coach

Einem KI-Coach erzählt man schnell von Knieschmerzen, Zyklus, Stress oder schlechtem Schlaf. Das verbessert den Plan, landet aber beim Unternehmen. Teile, was der Plan braucht, und nicht mehr. Bei einer Erkrankung, in der Schwangerschaft, mit GLP-1-Medikamenten oder nach einer Essstörung gehören die Entscheidungen zu deiner Ärztin oder deinem Arzt, nicht zur App.

Rechte des Assistenten

Ein Assistent, der Pläne anpasst, spart Zeit. Einer, der Einträge löschen darf, wird zum Risiko, sobald er eine Nachricht falsch versteht. Frag also nach, welche Aktionen die KI ausführen kann. Mehr dazu im Artikel Ein KI-Assistent, der deine Daten nicht löschen kann, der erklärt, warum TRAI von Trainera gar nichts löschen kann.

Sieben Prüfpunkte vor der Anmeldung

  1. "Sell" und "share" suchen. Halte fest, ob die App Daten verkauft, für Werbung weitergibt oder beides ausschliesst.
  2. Datum der Erklärung prüfen. Eine aktuelle Fassung beschreibt eher die App, die du tatsächlich nutzt.
  3. Ausland prüfen. Steht drin, in welche Länder Daten gehen? Das verlangt die Informationspflicht nach revDSG.
  4. Gesundheitsdaten gezielt freigeben. In Apple Health (iPhone) oder Health Connect (Android) nur Lesezugriff auf die nötigen Kategorien wie Schritte und Workouts.
  5. Eigenes Passwort verwenden, wenn möglich mit Anmeldung über Apple oder Google.
  6. Klären, was die KI ändern darf. Kann sie Workouts, Mahlzeiten oder den Verlauf löschen? Lassen sich Änderungen rückgängig machen?
  7. Ausstieg kennen. Finde Kontolöschung und Datenexport, bevor du sie brauchst, und merk dir, dass in der Schweiz der EDÖB zuständig ist.

Geht es dir eher darum, wer deine Fotos zu Hause oder beim Training sieht, behandelt unser Ratgeber zu Fitness und Privatsphäre für Frauen am Golf diese andere Frage.

Wo Trainera hineinpasst

Trainera verbindet Training und Ernährung in einer App. Wende die Checkliste oben auch auf uns an.

  • Gesundheits-Sync ist deine Wahl. Du entscheidest, ob du Apple Health oder Google Fit verbindest. Betreut dich ein Trainer über Trainera, kann er Daten wie Schritte, Puls, Schlaf, Kalorien und Workouts sehen. Verbinde nur, was du teilen willst. Für die Daten seiner Kunden ist der Trainer oder das Studio selbst verantwortlich.
  • TRAI, der KI-Assistent, erstellt und ändert im Chat deine eigenen Trainings- und Ernährungspläne, löscht aber nichts. Bei Änderungen, die einen bestehenden Plan ersetzen, fragt er vorher nach. Ein Ersatz für ärztlichen Rat ist er nicht.
  • Der Essensfoto-Scan (Premium, bis zu 20 Scans pro Tag) schätzt Lebensmittel, Gramm, Kalorien und Makros. Du korrigierst die Posten, bevor etwas gespeichert wird.
  • Free braucht keine Karte und enthält den Ernährungstracker sowie 1 KI-Trainingsplan und 1 KI-Ernährungsplan pro Monat.
  • Bezahlpläne in der Schweiz: Pro ab CHF 5.90 und Premium ab CHF 6.90 pro Monat auf trainera.fit/pricing für die Schweiz, nur monatlich. TRAI ist in Pro mit 40 und in Premium mit 90 Anfragen pro Monat enthalten.

Lies auch die Datenschutzerklärung von Trainera und entscheide nach dem Text, nicht nach unserem Versprechen. Willst du nur Fotos erfassen, passt vielleicht eine reine Tracking-App. Die Artikel, wie genau KI-Kalorienzähler per Foto sind, und Noom vs MyFitnessPal helfen bei der Wahl. Alle Funktionen für Kunden stehen auf Trainera für Kunden.

Zehn Minuten für die App, die du schon hast

Wechseln musst du nicht. Das meiste regelst du in den Einstellungen:

  1. Nimm jeder ungenutzten Fitness-App in den Gesundheitseinstellungen den Lesezugriff weg.
  2. Ändere das App-Passwort, falls du es auch anderswo benutzt.
  3. Such in der Erklärung deiner wichtigsten App nach "sell" und entscheide, ob du damit leben kannst.
  4. Lösche Konten von Apps, die du nicht mehr brauchst; ein vergessenes Konto enthält weiter deine Daten.

Training und Ernährung in einer App, mit einem KI-Assistenten (Pro und Premium), der nichts löschen kann? Starte kostenlos und ohne Karte mit Trainera für Kunden.

Häufig gestellte Fragen

Welche Rechte habe ich in der Schweiz gegenüber einer Fitness-App?

Nach dem revDSG, seit 1. September 2023 in Kraft, sind Gesundheitsdaten besonders schützenswert, und eine nötige Einwilligung muss dafür ausdrücklich erfolgen. Du kannst Auskunft über deine Daten verlangen, die Antwort kommt in der Regel innert 30 Tagen. Zuständige Behörde ist der EDÖB. Keine Rechtsberatung, Stand Oktober 2026.

Verkaufen Kalorienzähler-Apps meine Daten?

Teils ja, teils nein. MacroFactor und Cronometer erklären, keine Personendaten zu verkaufen. Noom schreibt, die Website "may sell your sensitive personal data", und Lose It! kann manche Daten für Werbung verkaufen oder weitergeben (geprüft im Oktober 2026). Durchsuche jede Datenschutzerklärung nach "sell".

Wurde MyFitnessPal gehackt?

Ja. Under Armour meldete 2018, dass Unbefugte Ende Februar 2018 Daten von rund 150 Millionen MyFitnessPal-Konten erbeutet hatten: Benutzernamen, E-Mail-Adressen und gehashte Passwörter. Kartendaten waren nicht betroffen, alle Nutzer mussten ihr Passwort zurücksetzen.

Darf eine US-App meine Daten aus der Schweiz in die USA schicken?

Das revDSG erlaubt eine Bekanntgabe ins Ausland nur bei angemessenem Schutz oder geeigneten Garantien. Seit dem 15. September 2024 gilt das Swiss-U.S. Data Privacy Framework: An zertifizierte US-Unternehmen dürfen Daten ohne zusätzliche Garantien gehen. Prüf in der Datenschutzerklärung, wohin die App Daten schickt.

Kann ein KI-Fitness-Coach meine Trainingsdaten löschen?

Das hängt davon ab, was die App der KI erlaubt. Frag, ob der Assistent Einträge oder den Verlauf löschen kann und ob sich Änderungen rückgängig machen lassen. TRAI von Trainera kann Pläne erstellen und bearbeiten, aber nichts löschen.

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