Trainingsprogramm schreiben: Coach-Guide für die Schweiz
Ein klares Framework für Personal Trainer in der Schweiz: Bedarfsanalyse mit Gesundheitsfragen nach revDSG, Split nach Verfügbarkeit, Volumen und Progression nach Ziel, und ein Programm, das deine Kundin in Zürich oder Bern auch allein im vollen Studio versteht.

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Programme schreiben für Kunden in der Schweiz
Personal Training ist in der Schweiz verbreitet: 68,6 % der 1'441 Fitnesscenter bieten es an (swiss active, Eckdatenstudie 2026). Ob du angestellt im Center arbeitest oder selbständig in Basel coachst: Ein Programm, das Kunden befolgen, entsteht nicht aus der Vorlage, sondern aus den zehn Minuten Analyse davor.
Am Anfang steht die Bedarfsanalyse
Kläre vier Punkte und schreib die Antworten auf:
- Ziel: Was soll in 12 Wochen passieren? Kraft, Hypertrophie, Fettabbau oder allgemeine Fitness?
- Zeit: Wie viele Tage pro Woche, wie lange pro Einheit?
- Vorgeschichte: Trainingsalter, Verletzungen, Beschwerden
- Rahmen: Ausrüstung, Trainingsort und Übungen, die der Kunde so hasst, dass er aufhören würde
Für die Schweiz wichtig: Angaben zu Verletzungen, Krankheiten oder Medikamenten sind nach dem revidierten Datenschutzgesetz besonders schützenswerte Personendaten. Holst du dafür eine Einwilligung ein, muss sie ausdrücklich sein (revDSG Art. 5 und 6, Fedlex). Frag also nur, was du fürs Programm brauchst, und erklär, wofür.
Vom Ziel zur Ausrichtung
Kraft heisst wenige Wiederholungen, hohe Intensität, lange Pausen und schwere Grundübungen. Hypertrophie heisst mittlere Wiederholungen, mittleres bis hohes Volumen, kürzere Pausen. Fettabbau ist vor allem eine Frage von Ernährung und Durchhalten; das Training erhält die Muskulatur. Sportleistung mischt Kraft, Power und Kondition. Halte die Ausrichtung schriftlich fest, damit jede spätere Entscheidung einen Bezug hat.
Frequenz und Split nach dem echten Kalender
Der beste Split ist der, den der Kunde durchzieht. Wer in Zürich pendelt und zwei Abende frei hat, bekommt keinen 5-Tage-Plan.
| Tage pro Woche | Struktur | Für wen |
|---|---|---|
| 2 | 2x Ganzkörper | Einsteiger, volle Agenda |
| 3 | 3x Ganzkörper oder Push/Pull/Legs | Einsteiger bis leicht Fortgeschrittene |
| 4 | 2x Oberkörper/Unterkörper | die meisten Fortgeschrittenen |
| 5-6 | Push/Pull/Legs doppelt oder Ober/Unter/Ganzkörper | Engagierte mit guter Erholung |
Höhere Frequenz verteilt das Volumen, sodass jeder Muskel zweimal pro Woche drankommt. Trotzdem gilt: Ein 3-Tage-Plan, der durchgezogen wird, schlägt einen perfekten 5-Tage-Plan, der zur Hälfte ausfällt.
Übungen: erst die Grundübungen, dann anpassen
Jede Einheit dreht sich um ein bis zwei grosse Grundübungen: Kniebeuge, Kreuzheben, Hüftbeuge, Bankdrücken, Schulterdrücken, Rudern, Klimmzug. Zusatzübungen decken ab, was diese zu wenig treffen.
Dann individualisierst du. Empfindliche Schultern: Kurzhantel oder neutraler Griff statt Langhantel-Bankdrücken. Kein Rack zu Hause: Goblet-Kniebeuge und rumänisches Kreuzheben mit Kurzhanteln. Hass auf die Nackenkniebeuge: Frontkniebeuge oder Beinpresse. Eine Übung ist ein Werkzeug, um ein Bewegungsmuster zu belasten. Nimm die Variante, die der Kunde sauber ausführt und steigern kann.
Volumen, Intensität, Sätze und Wiederholungen
Das Volumen, also harte Sätze pro Muskel und Woche, ist dein Hauptregler: 10-20 Sätze für die meisten, unten anfangen und mit der Anpassung steigern. Die Intensität steuerst du über Wiederholungen in Reserve (RIR), meist 1-3.
- Kraft: 3-6 Wiederholungen, 3-5 Sätze, 1-2 RIR, 2-4 Minuten Pause
- Hypertrophie: 6-12 Wiederholungen (15-20 bei Isolation), 3-4 Sätze, 1-2 RIR, 60-120 Sekunden Pause
- Fettabbau: hypertrophieähnliche Belastung zum Muskelerhalt; das Defizit erledigt den Rest
- Leistung: wenige Wiederholungen mit voller Pause für Power, dann sportspezifische Kondition
Schöpf das Volumen nicht in Woche eins aus. Zusätzliche Sätze sind deine Progressionsreserve.
Ein Progressionsmodell, konkret aufgeschrieben
Ohne Progressionsregel ist ein Programm nur ein Workout. Grundlage ist die progressive Überlastung, und es gibt drei saubere Varianten:
Linear
Jede Einheit etwas mehr Last bei gleichen Sätzen und Wiederholungen, etwa 2,5 kg oben, 5 kg unten. Ideal für Einsteiger, bis die Sprünge die Erholung überholen.
Doppelprogression
Ein Wiederholungsbereich, zum Beispiel 8-12. Das Gewicht bleibt, bis alle Sätze das obere Ende erreichen, dann kommt Last dazu und es geht zurück ans untere Ende. Selbstregulierend und ideal für Zusatzübungen.
RPE und Autoregulation
Statt eines fixen Gewichts gibst du eine Anstrengung vor, etwa ein Satz bei RPE 8. An guten Tagen wird es mehr, an müden weniger. Flexibel bei Stress und wenig Schlaf, verlangt aber Erfahrung im Einschätzen.
Periodisierung ohne Fachchinesisch
Blöcke von 3-4 Wochen mit steigendem Volumen oder steigender Intensität, danach eine leichtere Deload-Woche mit etwa halbierten Sätzen. Die meisten brauchen alle 4-8 Wochen einen Deload, spätestens wenn Leistung und Motivation zugleich sinken. Komplexe Blockperiodisierung bleibt fortgeschrittenen Athleten vorbehalten.
Aufwärmen, Zusatzübungen, Kondition
Ein paar Minuten warm werden, dann Aufwärmsätze in der ersten Grundübung bis zum Arbeitsgewicht. Zwei bis vier Zusatzübungen für Arme, hintere Schulter, Waden, Rumpf und einbeinige Arbeit. Kondition wird geplant, nicht als Strafe angehängt: 1-3 lockere Cardio-Einheiten pro Woche mit Abstand zu schweren Beintagen, zum Beispiel mit dem Velo zur Arbeit.
So schreiben, dass es verstanden wird
Pro Übung: Sätze, Wiederholungen, Ziel-RIR oder RPE, Pause. Wo nötig ein kurzer Hinweis ("Rumpf fest, bevor du runtergehst"). Die Progressionsregel steht als ein Satz ganz oben. Unbekannte Übungen bekommen ein Video. Geh davon aus, dass der Kunde allein im vollen Studio steht.
Vorlagen ja, generische Programme nein
Pro Ziel eine Grundstruktur, dann Übungen, Volumen und Startlasten auf den Kunden anpassen. Mit einer Übungsbibliothek in Coaching-Software klonst du eine bewährte Vorlage, tauschst ein paar Bewegungen und bist in Minuten fertig.
Check-ins steuern die Anpassung
Das Programm ist eine Hypothese. Alle ein bis zwei Wochen prüfst du: Einheiten absolviert? Lasten und Wiederholungen steigend? Schlaf, Muskelkater, Motivation? Körpergewicht in die richtige Richtung? Läuft alles, lässt du es laufen. Stockt es zwei Wochen, änderst du eine Variable, nicht fünf.
App statt PDF
Ein PDF ist ein totes Dokument: kein Protokoll, keine Sicht auf das Training, jede Änderung eine neue Datei. In einer Coaching-App sieht der Kunde die heutige Einheit mit Videos, notiert Sätze und Wiederholungen, und du siehst die Daten für die nächste Anpassung. Im Online-Coaching ist genau diese Schleife das Produkt. Mehr dazu im Guide zum Start von Online-Fitness-Coaching. Trainera gibt es für Coaches ab CHF 19.90 pro Monat auf trainera.fit/pricing für die Schweiz.
MWST: Was du beim Verkauf von Programmen wissen solltest
Verkaufst du Programme selbständig, gilt: MWST-pflichtig wirst du ab CHF 100'000 Jahresumsatz aus steuerbaren Leistungen (ESTV, Grundsätze der MWST). Laut ESTV-Praxis sind Fitness- und Krafttraining sowie Trainingsprogramme zur Leistungssteigerung zum Normalsatz von 8,1 % steuerbar (ESTV, Steuersätze). Stand Oktober 2026, keine Steuerberatung: Prüf deinen Fall mit Treuhänder oder ESTV.
Ein Beispiel von A bis Z
Beispiel: Laura aus Basel, fortgeschritten, will Muskeln aufbauen, hat vier Abende à 60 Minuten, ein voll ausgestattetes Center und eine leicht gereizte linke Schulter. Ausrichtung Hypertrophie, Split Oberkörper/Unterkörper zweimal pro Woche. Übungen: Kurzhanteldrücken mit neutralem Griff statt Langhantel, dazu Rudern, rumänisches Kreuzheben, Beinpresse, Latzug sowie Arme und hintere Schulter. Volumen: Start bei 12 harten Sätzen pro Muskel, Luft bis 18. Wiederholungen 6-12 bei Grundübungen, 10-15 bei Isolation, jeweils 1-2 RIR. Progression per Doppelprogression, drei Wochen Aufbau, Woche vier Deload. Geliefert in der App mit Videos und Protokoll, damit du ihre Zahlen siehst und die Schulterübung tauschen kannst, falls sie sich meldet.
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Häufig gestellte Fragen
Wie erstelle ich einen Trainingsplan für einen Kunden?
Wie viele Übungen gehören in ein Workout?
Wie oft sollte ich das Programm ändern?
Lineare oder undulierende Periodisierung?
Muss ich auf ein Trainingsprogramm in der Schweiz MWST verrechnen?
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